| Der Trick mit dem Bebauungsplan |
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| Sonntag, 12. April 2009 um 12:35 Uhr |
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VON WOLFGANG POMREHN
Germersheim in Rheinland-Pfalz ist ein Städtchen mit 20.000
Einwohnern, gelegen am Rhein auf halbem Wege zwischen Karlsruhe und
Mannheim. Anfang April 2008 präsentierte die Energie Baden-Württemberg
AG (EnBW), immerhin der viertgrößte Stromkonzern Deutschlands, dem
dortigen Gemeinderat einen Plan: Auf der Insel Grün am Rande von Germersheim, von einem Altarm des Rheins umrahmt, solle ein
900-Megawatt-Kohlekraftwerk entstehen. Die Stadtväter und -mütter waren
sofort eingenommen. Arbeitsplätze wurden versprochen, von zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen
war die Rede. Nur bei den örtlichen Grünen schrillten die Alarmglocken.
"Wir konnten die zahlreichen Pferdefüße der EnBW-Versprechungen aufzeigen", meint Astrid Diehl, Mitglied der Bürgerinitiative "Kohlefreie Insel Grün" und Vorsitzende des Vereins Pamina-Solar, der sich in der Region für die Nutzung erneuerbaren Energieträger einsetzt. Weder an dem Arbeitsplatzversprechen noch an den in Aussicht gestellten Gewerbesteuereinnahmen sei letztendlich viel dran gewesen. Die Lokalpresse berichtete wohlwollend. Und irgendwann kippte die Stimmung. Eine Umfrage im Sommer 2008 ergab, dass 80 Prozent der Bürger das Projekt ablehnten. Die meisten Bürger haben mehr Angst vor Feinstaub als vor dem Klimawandel Astrid Diehl meint, die frühzeitige Gegeninformation habe in Germersheim eine entscheidende Rolle gespielt. Im nahen Mannheim dagegen seien die Planungen schon relativ weit fortgeschritten gewesen, bevor sich der - bisher erfolglose - Widerstand regte. Peter Baumiller von den Germersheimer Grünen sagt, die meisten Bürger hätten sich nicht vom Kohlendioxid-Ausstoß und dem Klimawandel zu einem Nein überzeugen lassen, sondern durch Verweis auf die direkt gesundheitsschädlichen Emissionen von Feinstaub und anderen Schadstoffen.
Die kommunale Bauleitplanung sollte positive Alternativen zum Bau eines Kohlekraftwerks formulieren "Für uns war das Gutachten von Martin Wickel sehr wichtig", meint Diehl und meint damit eine Studie im Auftrag der Deutchen Umwelthilfe (DUH), die im Sommer 2008 aufzeigte, wie Gemeinden mit Hilfe ihrer hoheitlichen Bauleitplanung Kohlekraftwerke verhindern können. Wichtig sei, dass die Gemeinden positive Festlegungen treffen, also andere Nutzungen für den möglichen Bauplatz eines Kraftwerks formulierten. Dagegen sei ein Plan, der ganz offensichtlich nur das Ziel verfolgt, ein Kohlekraftwerk zu verhindern, vor Gericht leicht angreifbar. Nachdem EnBW in Germersheim der Wind ins Gesicht blies, verzichtete der Konzern tatsächlich darauf, das Projekt weiterzuverfolgen. Im Prinzip könnte das Unternehmen gegen den neuen Flächennnutzungsplan klagen, passiert ist das bislang jedoch nicht. Anscheinend hat man in der Karlsruher Konzernzentrale umgesteuert: Kürzlich wurde bekannt, dass EnBW an der Projektgesellschaft für ein Kohlekraftwerk im emsländischen Dörpen die Mehrheit erworben hat.
Die Serie wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
Bisher erschienen: Teil 1: Bremen - Wahlkämpfe sind schlechte Zeiten für Kohle Teil 2: Kiel - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben Weitere Informationen zu geplanten Kohlekraftwerken und zu Erfolgsrezepten des Widerstands gibt es in Kürze auf einer neuen Homepage der Klima-Allianz Fotos: BUND |
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