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EnBW bekommts mit dem Protest zu tun Drucken E-Mail
Donnerstag, 23. April 2009 um 14:49 Uhr

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Ärger für die Aktionäre des Energiekonzerns EnBW: Eigentlich sollte es auf der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag nur gute Nachrichten geben. Doch der Atomprotest machte dem einen Strich durch die Rechnung: Greenpeace-Aktivisten entrollten vor der Stadthalle Karlsruhe ein Banner mit dem Slogan: "EnBW-Atommülllager Asse: Erst aufräumen, dann Dividende zahlen!". Aktivisten blockierten für mehrere Stunden die Einfahrt zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Und die Klima-Allianz protestierte mit schwarzen Luftballons gefüllten "Kohlesaurus" gegen EnBWs Pläne, in Norddeutschland ein Kohlekraftwerk zu bauen. 

"Wenn EnBW mit dem Slogan 'Energie ist Verantwortung' wirbt, dann sollte der Energiekonzern seinen Worten auch Taten folgen lassen", erklärte der Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. 63 Prozent der Radioaktivität im Endlager Asse kämen aus dem EnBW-Atomkraftwerk Obrigheim. Experten schätzen die Kosten für die Sanierung der Asse auf ca. 2,5 Milliarden Euro. Edler: "EnBW müsste somit anteilig 1,5 Milliarden Euro für die Sanierung bezahlen". 

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Florian Kollmann, Sprecher der AktivistInnen in Neckarwestheim, erklärte: "Es ist absolut inakzeptabel, wenn ein Konzern aus reinem Profitstreben weiter auf die Risikotechnologie Atomkraft setzt!" Ursprünglich nämlich sollte der Reaktorblock I nach dem Atomkonsens bereits abgeschaltet worden sein. EnBW hofft nach der Bundestagswahl auf eine neue politische Konstellation, die den Ausstieg aus dem Atomausstieg ermöglicht, weshalb der Reaktor seit Monaten mit gedrosselter Leistung gefahren wird, um den Abschaltzeitpunkt herauszuzögern. Derzeit ist zudem eine Klage auf Übertragung von Strommengen aus dem jüngeren Block Neckarwestheim-II auf Reaktor I anhängig. 

Sogar in Kaliningrad wurde am Donnerstag gegen EnBW protestiert: Die russischen Wirtschaftszeitungen RBC Daily und Gazeta hatten vermeldet, dass EnBW und Inter RAO einen Kooperationsvertrag unterschrieben haben. Russische Umweltschützer befürchten nun, dass ein Atomkraftwerk in Kaliningrad das erste Kooperationsprojekt der beiden Atomkonzerne werden könnte: Inter RAO sucht nämlich einen westlichen Investor für den Bau von zwei 1.200 Megawatt Reaktoren vom Typ WWER-1200. "Die Mehrheit der Kaliningrader ist strikt gegen den Bau eines Atomkraftwerkes", sagt Vladimir Slivyak von der russische Umweltorganisation Ecodefense. 

Dass EnBW kräftig investieren will, kündigte EnBW-Chef Hans-Peter Villisauf der Hauptversammlung in Karlsruhe denn auch an: Bis 2011 sollen rund 7,7 Milliarden Euro investiert werden, unter anderem durch Unternehmensbeteiligungen und Kraftwerke. Die EnBW setzte im Jahr 2008 rund 16,3 Milliarden Euro um, das operative Ergebnis lag bei 1,8 Milliarden Euro. Der Konzern hat mehr als 20 000 Mitarbeiter und etwa 6,5 Millionen Kunden. Größte Aktionäre sind der französische Stromkonzern Electricité de France (EdF) und der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) mit jeweils 45,01 Prozent. 

NICK REIMER

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Fotos: Greenpeace, ContrAtom 

 

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