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Britisches Klimacamp beendet Drucken E-Mail
Freitag, 04. September 2009 um 11:34 Uhr

Hanno Böck ist nicht Sabine Zimpel: Unsere Bewegungsmelderin Sabine Zimpel teilt sich ihre Kolummne über die Urlaubsmonate mit dem Kollegen Hanno Böck. Der schlägt in diesem Sommer seine Zelte bei verschiedenen Klimacamps in Europa auf. Diesmal schreibt er aus London, wo vom 24. August bis zum 02. September das britische Klimacamp stattfand.

   Zimpels Bewegungsmelder

hanno2.jpgIm Londoner Stadtteil Blackheath trafen sich KlimaaktivistInnen zum diesjährigen britischen Klimacamp. Aufgrund des englischen Wahlsystems gab es auf der britischen Insel nie eine starke grüne Partei, dafür (oder sogar deshalb) eine umso stärkere aktionsorientierte Umweltbewegung. Die Geschichte der britischen Klimacamps begann 2006 nahe des Kohlekraftwerks in Drax.

Dieses Jahr entschied man sich, anders als in vergangenen Jahren, gegen eine Großaktion vom Camp aus. Statt dessen findet im Oktober der große Climate Swoop am Eon-Kohlekraftwerk Ratcliff-on-Soar statt.

Der Ort des Camps war vorher auch den meisten TeilnehmerInnen nicht bekannt – das Parkgelände zwischen Greenwitch und Blackheath wurde bezogen, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Londoner Polizei verhielt sich sehr zurückhaltend, nachdem es im Frühjahr scharfe Kritik am Polizeieinsatz während des G20-Gipfels gab. Zu Debatten unter den Campern führte der Vorschlag, die Polizei durch's Camp zu führen, letztendlich wurde dies von der Mehrheit der TeilnehmerInnen abgelehnt.

CO2-frei soll das Camp sein - vollständig gelingt dies vermutlich auch dort nicht, aber der Strom kommt ausschließlich von Solarpanels, selbstgebauten Windkraftanlagen und mit Generatoren versorgten Fahrrädern. Komposttoiletten verschiedener Bauart sind im Einsatz.

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Eingang zum Klimacamp. (Fotos: Hanno Böck)

Vom Klimagipfel in Kopenhagen erwarten die meisten hier Zeltenden wenig bis nichts - man müsse den Kampf gegen den Klimawandel in die eigene Hand nehmen - gewaltfreie direkte Aktionen, Anprangerung der Klimaverbrecher, am Besten das direkte Verhindern der Treibhausgas-Emissionen. Das haben etwa die AktivistInnen von Plane Stupid letztes Jahr vorgemacht - durch eine Blockade der Landebahn am Flughafen Standsted wurden 57 Flüge verhindert. Oder die Drax 29 , die einen Kohlezug für das Kraftwerk Drax für über 12 Stunden aufhielten. In Workshops erzählen erfahrene AktivistInnen von ihren Aktionen und demonstrieren Blockadetechniken mit Fahrradschlössern und Rohren. Die AktivistInnen von Plane Stupid und Co. sind die Helden des Camps - viele junge Menschen sind hier, für viele wird der Climate Swoop im Oktober wohl die erste Aktion sein.

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Ökostrom für's Campen - Solarzellen und Windräder

Desweiteren gibt es auf den britischen Inseln eine Reihe von dauerhaften Protestcamps, die alle hier vertreten sind, etwa die Proteste gegen Shell im irischen Rossport , das Hüttendorf Billston Glenn gegen ein Straßenbauprojekt oder die Blockade des Kohletagebaus Mainshill in Schottland (dort fand dieses Jahr das schottische Klimacamp statt).

Die großen Themen sind das geplante Eon-Kohlekraftwerk in Kingsnorth und die geplante neue Landebahn am Flughafen Heathrow – ein Baubeginn bei beiden Projekten konnten bislang verhindert werden. Daneben spricht man viel über die Schließung eines Werkes des Windkraftanlagenbauers Vestas . Eine Vestas-Fabrik auf der Isle of Wright wurde kürzlich von ArbeiterInnen besetzt, Vestas hat die Fabrik in die USA verlegt, weil im vereinigten Königreich kein Markt für Windkraftanlagen besteht. Trotz großspuriger Ankündigungen investiert die britische Regierung bislang kaum in die Förderung erneuerbarer Energien.

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Save Vestas- Solidarität mit den ArbeiterInnen einer Vestas-Fabrik

Eine Gruppe kanadischer UreinwohnerInnen ist zum Camp angereist und bringt ein Thema auf die Tagesordnung, das den meisten AktivistInnen in Europa bislang kaum bekannt war – Tar Sands (Teersand, Ölsand), der Abbau unkonventioneller Ölvorräte im kanadischen Alberta. Für den Bezinhunger der Industrienationen ist es bei steigenden Ölpreisen zunehmend lohnend, diese abzubauen, doch die ökologischen Folgen sind fatal. Der Abbau ist extrem energieaufwändig, Ölsand ist im Vergleich zu konventionellen Ölvorkommen drei- bis fünfmal schädlicher für das Klima. Die kanadische Botschaft, die BP-Zentrale und die Royal Bank of Scottland wurden am Dienstag von DemonstrantInnen besucht, die ein Ende des Ölsand-Abbaus fordern. Zuvor hatten nackte DemonstrantInnen die Firma Edelman PR besucht – sie zeichnet sich verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit von Eon.

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Die Gruppe »art not oil« protestiert gegen BP und Tar Sands

 

 

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